Pirateria - Die Idee

hinter den kulissen:
aufheben statt wegwerfen, besonders erfahrungen
aufeinander stossen statt gegeneinander treten
arbeit als prozess, nicht ziel

vor den kulissen:
künstlernetzwerk aufbauen, im webspace wie im weltspace
produktionsmöglichkeiten, v.a. –stätten erobern und raum für arbeit ermöglichen
die erarbeiteten sachen hinaustragen

1990 gab es eine auf den Triumph des Kapitalismus bezogene Formel: Jetzt ist alles möglich, aber auch alles entschieden. Die Mauern sind gefallen, unendliche Möglichkeiten tun sich auf, die aber – ganz klar und für immer entschieden – kapitalistisch und nur kapitalistisch genutzt werden können. Unendliche Möglichkeiten tun sich auf, die schließlich auf eine hinauslaufen…

Das waren die 90ger. Inzwischen sind wir in ein neues Jahrtausend gerutscht und bewegen uns in eine neue Zeit. Diese bewusst mit zu gestalten, sind wir angetreten. Und das beginnt so:
Wir scheißen auf jene Resignation, mit der man uns mitteilt, es gäbe keine politische Handlungsfähigkeit mehr, die sich noch auf Werte und Überzeugungen jenseits der Ökonomie beruft, wir kacken auf den Rückzug ins Private und die Vereinzelung in der Gesellschaft, wir pissen auf den Lifestyleextremismus, “Wir leben nicht euer keimfreies Leben, euern Highlifestreß, in der Freizeit leben, eure Designerläden, euer Einheitswesen, euer Primetime-überall-dabei-sein-Leben, weil wir nach Freiheit streben” (Texta)

Wir wollen raus, wir wollen loslegen.
Wir setzen auf die Urteilskraft des Individuums, auf die Fähigkeit, sich außerhalb normativer Zwänge- wie Autorität, Zeitgeist, Anpassungsdruck- ein Urteil bilden zu können und danach zu handeln.
Und dafür brauchen wir die Kunst, denn sie ist ein Kanal.
Ein Kanal, in dem bestimmte Aspekte lebendiger Erfahrung, zu denen wir normalerweise keine Verbindung haben, in Erscheinung treten können.
Ein Kanal, über den der Erfahrungsschatz von Generationen weitergereicht wird (die wirklichen Chronisten der Geschichte sind die Dichter! )
Ein Kanal, …
Diesen Kanal gilt es frei zu legen, denn er ist zugeschüttet, durch die Zwänge der Ökonomie, die unergründlichen Wege der Bürokratie und die tödliche Monotonie des Alltags.

Pirateria ist der Aufruf zum Freischaufeln! Denn so entstehen Lücken und Zwischenräume und darum geht es! Mut zur Lücke und Lust am Zwischenraum!
Das Spiel ist eröffnet:
Zwischen den Häusern der freie Platz
Zwischen den Menschen die Kommunikation
Zwischen den Gesetzen unser Weg
Zwischen zwei Geldscheinen das Glück

Pirateria ist der Aufruf zu Collecting&Connecting! Wir sammeln Erfahrung, Wissen, Ideen, Eindrücke und Gleichgesinnte (alles was am Grund des Kanals zu Vorschein kommt), wir verbinden Erfahrung, Wissen, Ideen, Eindrücke und Gleichgesinnte und stellen es zur Verfügung, denn es gibt kein geistiges Eigentum!

Pirateria ist ein Aufruf an alle Künstler, in und durch gemeinsame Arbeit, die frei von ökonomischen Zwängen auch die Möglichkeit des Scheiterns zulässt, Ansätze und Formen des gemeinsamen Zusammenlebens zu finden, nach Ideen zu suchen, wie eine glokale Gesellschaft beschaffen sein müsste. Das Aufeinanderprallen verschiedenster Kunstgattungen ist hierbei stark erwünscht!

Die Welt zu bestehn, muss der Schwache sie erkennen, um nicht blind einen Weg zu gehen, der sich verliert, in eine Gefahr zu rennen, die zum Tode führt.
Die Mächtigen sind mächtig; es ist niederträchtig, diese Wahrheit zu missachten, nach Narrheit zu trachten, die Mächtigen zu besiegen, ohne über Waffen zu verfügen, denen sie Unterliegen.
Heldentaten sind sinnlos, sie verraten die Ohnmacht des Schwachen, und seine Verzweiflung bringt die Macht nur zum Lachen.
Doch hört den Bettler jetzt, gefoltert, in Fetzen, von Schergen gehetzt:
Der Mächtige in dieser Welt, greift nach dem, was ihm gefällt, bald ist es dein Weib, bald ist es dein Haus, und nur was er verachtet, lässt er unberührt; es lerne der Kluge daraus.
Es fällt, wen verführt, was die Macht begehrt, ja, selbst den Weisen tötet die Gewalt, nur wer nichts hat und nichts ist, bleibt unversehrt.
Und so: Wie der Reiche verdarb und der Fromme starb, und auch der Starke den Tod erwarb, sagte sich meiner Mutter Sohn : Der Mensch sei wie Sand, Sand allein hält Stand den Tritten der Schächer, der Henker im Land. Die Zeit wird schwarz, die Macht rollt davon, lassen rollen sie schon:
Von Babylon bleibt nur ein Bettle, bekränzt mit Mohn, und brennt sein Bart, sein Mantel schon, auf der Scheiterbeige, er kommt davon.

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